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Eine Vision auch für Lehrte? Die Straßen sind für den Autoverkehr gesperrt. An jeder Ecke, gerade außerhalb der Hörweite der nächsten, steht eine Bluesband und spielt sich die Seele aus dem Leib. Wenn den Besuchern eine bestimmte Kapelle besonders gut gefällt, nehmen sie vielleicht im nächsten Straßencafe Platz und hören bei einem Capuccino zu. Oder sie ziehen weiter, neugierig auf die anderen Bands, die so verschieden sind wie das ganze Stilespektrum des Blues. Die Kinder bekommen zwischendurch ein Eis, und die kleineren lassen sich bequem im Bollerwagen durch die Straßen ziehen.

Daß ein Bluesfestival auch so ablaufen kann, erfuhren 18 Organisatoren und Helfer des Lehrter Blues-Open airs bei einem Kurztrip in die schwedische Partnerstadt Mönsteräs. Ganz ohne Bühne auf dem nackten Pflaster, zwischen einem Optikergeschäft und der Geschäftsstelle der Tageszeitung "Barometem", spielt die Fanners Blues Band in schwarzweiß gescheckten Satinhemden Bluesrock. Neben dem Büro für Arbeitsvermittlung zieht der borsalinobehütete Sänger der Gruppe Pubgubbarna vor den Umstehenden eine gute Show ab, und die General Blues Band unterhält ihr Publikum direkt vor dem Bestattungsinstitut. Nicht nur die Lehrter Besucher haben die Qual der Wahl zwischen zwölf dieser Veranstaltungsorte entlang der Hauptstraße und am Hafen. Sich das, was am meisten gefällt, herauszupicken und stehenzubleiben, fällt schwer.

Denn auch die anderen Bands haben ihre musikalischen und auch optischen Reize. Wie die Sängerin der Southside Bluesband mit artigem Strohhut und Blumenkleidchen, die so gar nicht artig den Blues auf ihrer Gitarre spielt. Oder Sam Rocket & His Bluesprisoners, die mit viel Haarpomade und in adretten Anzügen Blues aus den vierziger und fünfziger Jahren ans Ende dieses Jahrtausends transportiert haben.

Erst seit fünf Jahren organisiert ein fünfköpfiges Team in seiner Freizeit dieses Festival, das sich mittlerweile weit über die Region hinaus einen Namen gemacht hat und das größte in Schweden gilt. Uber 30 Bands und Solomusiker aus dem In- und Ausland reisen an, um sich an dem großen Straßenfest zu beteiligen oder bei den abendlichen Veranstaltungen, für die Eintritt kassiert wird, zu spielen.

Die Hauptveranstaltung am Sonnabend startete um 18 Uhr im Folkets Hus - vergleichbar dem Kurt-Hirschfeld-Forum, nur größer - im zehn Kilometer entfernten Blomstermaola. Da erschienen dann auch Megastars der internationalen Bluesszene, die nicht gerade für wenig Geld und gute Worte zu haben sind. In diesem Jahr beispielsweise Soulsängerin Arm Peebles, bekannt durch ihren Hit "l Can't Stand The Rain". Diese "eine von den richtig Großen" war zum ersten Mal überhaupt für einen Auftritt nach Schweden gekommen. Zuvor hatte schon eine amerikanische Kollegin dem Publikum kräftig eingeheizt: Zusammen mit der schwedischen Combo Harmonica Henry & The Bluesrockers brachte Sandra Hall den Saal zum Kochen.

Für die Lehrter Veranstalter ging mit diesem Besuch ein 15 Jahre lang gehegter Traum in Erfüllung: Endlich einmal wirklich guten Blues auf einem Festival zu erleben, ohne selber einen Finger krumm zu machen. "Diese Veranstaltung ist überhaupt nicht mit unserem Festival zu vergleichen", stellte Wolfgang Reimann fest, "das Wetter ist viel zu sonnig und warm."

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