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Enterprise über Fanö gesichtet

Logbuch der Enterprise, Sternzeit 1-9-9-7, 14. bis 28. Juni: Schwere atmosphärische Stürme rissen unser Schiff aus dem Orbit der Erde und ließen uns notlanden. Dabei erlitt die Enterprise irreparable Schäden in sämtlichen Sektionen, und auch der Antrieb - sowohl Impuls als auch Warp - war hin.
Zum Glück hatten wir noch eine zweite, etwas kleinere Enterprise im Kofferraum. Nach einem unverbindlichen Probestart in der Nähe einer norddeutschen Kleinstadt namens Lehrte packten wir die Enterprise in ein rotes, wenig aerodynamisches, aber sehr geräumiges Shuttle des Typs VW-Bulli und fuhren damit auf die dänische Insel Fanö, wo sich jedes Jahr um den 17. Juni herum Besitzer merkwürdigster Fluggeräte vom ganzen Planeten zu einem sogenannten Drachenfestival treffen.
Die Ersatz-Enterprise hatte nämlich im vergangenen Jahr dort ihren Stapellauf, aber irgendwie muß Scottie Mist gebaut haben. Es gab damals jedenfalls einen Riesenkracks, als die Stabilisatoren der Untertassensektion brachen und unser schönes Schiff dann gar nicht mehr so richtig fliegen wollte. Spock und Kirk haben dann beschlossen, die Bauweise der Untertassensektion den übrigen Bauteilen anzupassen und ebenfalls stablos als sogenannte Matte oder Matratze zu konstruieren. Nach der Ankunft des Shuttles auf der Insel erwiesen sich jedoch die Luftbewegungen, die die Einheimischen hier Wind nennen, als zu heftig für den Start eines doch so raffinierten Fluggeräts. Die Mannschaft, bestehend aus Captain Kirk, Mister Spock und Lieutennant Uhura, nutzte die Zeit, um sich mit den Gepflogenheiten der Einheimischen in puncto Nahrungszubereitung, Raumtemperierung und Fortbewegung vertraut zu machen.
Denn es gibt hier keine Replikatoren. Stattdessen gibt es Supermärkte, uneffektive, noch elektrisch betriebene energiefressende Kochherde und Abwaschen. Beamen war uns auch nicht möglich. Aber sie haben hier zweirädrige Balancefahrzeuge, schnelle Schuhe mit Rädern darunter und auch Pferde, jedenfalls wird hier zur Fortbewegung hauptsächlich Muskelkraft eingesetzt, aber auch Autos und Boote.
Zur Temperierung des Mannschaftsquartiers setzte Spock das Material, aus dem die Einheimischen auch diese Holzhäuser bauen, in einem sogenannten Kamin in Brand. Die Rauchentwicklung, die dann allerdings von diesem offenen Feuer ausging, hätte auf der Enterprise unverzüglich Roten Alarm ausgelöst. In diesem Quartier ertönte plötzlich ein schriller Heulton, der sich als Rauchmelder entpuppte und erst nach viel Querlüftung und ohrenbetäubenden zehn Minuten wieder zum Schweigen gebracht werden konnte.
Schließlich war der Wind jedoch so weit abgeklungen, daß wir einen Startversuch unternehmen konnten. Diesmal erwies sich die Aktion als erfolgreich: Wenn beim Start darauf geachtet wird, daß sich das Haupttriebwerk und die Antriebsröhren samt den Phylonen nicht mit den Halteseilen vertoddern, hält sich das Schiff stundenlang am Himmel - sogar als Einleiner. Ein wahrhaft majestätischer Anblick!
Wie das so ist, wenn wir fremde Welten besuchen, wurden wir und noch mehr unser Fluggerät von den irdischen Bewohnern bestaunt und neugierig, aber sehr freundlich angesprochen. Es stellte sich heraus, daß schon schon viele die Idee gehabt hatten, einmal dieses Schiff zu bauen. Umso faszinierter lauschten sie den Maßangaben, denn unser Raumschiff mißt - nach der Materialisierung aus seinem Packsack - achteinhalb Meter Länge über alles. Allein die Untertassensektion hat einen Durchmesser von drei Metern, für die Außenhülle wurden 40 Quadratmeter Spinnakernylon zugeschnitten und vernäht. Insgesamt hat Spock, der den Großteil der Konstruktions- und Bauarbeiten erledigt hat, zwei Kilometer Nähgarn und eine Nähmaschine verbraucht. (Außerdem: jede Menge Jeverianisches Ale).
Wir gaben bereitwillig Auskunft. Auch verschiedene Informationsmedien wie ein deutsches und auch ein italienisches Drachenmagazin ließen sich genau über die Entstehung der Enterprise informieren, und neben vielen privaten Videofilmern und Fotografen ließ sich auch das offizielle Drachenvideo-Team diese Gelegenheit nicht entgehen.
Bei aller gebotenen Höflichkeit, besonders auf einem fremden Planeten, haben wir den interessierten Eingeborenen jedoch eins verschwiegen: Unsere Enterprise kann nicht bemannt werden. Wir, die Mannschaft, und unser viertes Teammitglied, das aus dem Ektoplasma herbeigebeamt war, haben uns inzwischen damit abgefunden und führen unter der Tarnung als Buchhändler, Elektrotechniker, Journalistin und als Baugenehmiger mittlerweile ein unauffälliges, dem der Eingeborenen weitgehend angepaßtes irdisches Leben.
gez.: Lt. Uhura
sun
Foto links: Die Enterprise-Ingenieure Bert, Jens und Tiga bei der Arbeit.