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Artikel in der Neuen Presse vom 2.8.2011 von Andreas Körlin

Seit knapp drei Jahrzehnten organisiert eine Kult(ur)-Truppe am ersten September-Sonnabend das Lehrter Freiluftfestival

FAMILIE BLUES: 14 der rund 100 Vereinsmitglieder mit ihrem Vorsitzenden Jens Veenhuis (Zweiter von links, Foto: Behrens).

LEHRTE. Jake und Elwood Blues, die legendären Blues Brothers aus dem gleichnamigen US-Kino-Hit, wären stolz auf diese Lehrter Kult(ur)-Truppe: Deren rund 100 Mitglieder organisieren seit bald drei Jahrzehnten das größte nichtkommerzielle Blues-Festival Deutschlands.

Es ist eine Lehrter Erfolgsgeschichte, aber sie begann in – Norwegen. „Wir hatten die Idee, als wir 1983 mit zehn Leuten in Skandinavien Urlaub gemacht haben“, erinnert sich Jens Veenhuis. Der 52-Jährige ist Vorsitzender des „Vereins zur Förderung der Musik- und Jugendkultur – Blues in Lehrte“. Langer Name, kurzer Sinn: Man macht halt den Blues. Und das seit genau 28 Jahren.

Jeden ersten „Samstach“ im September beginnt das Freiluftfestival am „Rodelberch“ (Stadtpark). Samstach? Berch? Schreibfehler? Nein! Die außergewöhnliche Schreibweise auf allen Plakaten, Gutscheinen und Eintrittskarten sei Kult. Der Verein habe sich ein Beispiel am Dialekt von Werner (Comicfigur von Rötger Feldmann) genommen, erklärt Veenhuis. Ebenfalls Kult ist das Festival – auch bei den Bands. „Jedes Jahr bewerben sich zwischen 60 und 80 Gruppen, wir haben bei den Bands einen guten Ruf, sind deutschlandweit bekannt“, erklärt Veenhuis, „viele sind enttäuscht, wenn wir absagen, denn es gibt nicht so viele Gelegenheiten, um vor großem Publikum zu spielen.“

Apropos Publikum: 27 500 Fans pilgerten im ersten Vierteljahrhundert der Festivalgeschichte auf den Rodelberch. Der übrigens wirklich ein Rodelberg ist und deshalb Besuchern besten Blick auf die Bühne bietet. Auf der spielten in den ersten 25 Jahren 123 Bands mit rund 600 Musikern, heißt es in einem Bildband, den der Verein 2008 zum Jubiläum herausgab. Leser erfahren auch, was die ehrenamtlichen Blues-Brüder und -Schwestern am Rodelberch so machen. Bis 2008 luden sie 150 Lkw-Ladungen Material aus, zapften 38 000 Liter Bier, grillten 20 000 Würste, schnippelten 750 Kilo Salat, schmierten 5000 Schmalzbrote ...

Einmal wöchentlich trifft sich der harte Kern, um das nächste Festival zu planen. Am ersten Wochenende im September fassen dann alle Vereinsmitglieder am Rodelberch mit an. Und tobt der Blues mal nicht am Berch, dann findet man ihn auch in der Lehrter Volkshochschule: „Dort haben wir Seminare zur Geschichte des Blues veranstaltet“, sagt Vereinsmitglied Michael Veenhuis (51). Und auch unmusikalisch kommt der Verein zur Förderung der Jugendkultur voran. Zum Beispiel, wenn er eine Paddeltour für Jugendliche veranstaltet.

Außerdem arbeitet er an sich selbst: Jährlich gibts Seminare zur Vor- und Nachbereitung des Festivals. „Wir haben jedes Jahr irgendetwas besser gemacht“, meint Claudia Grumser (47). Neu im Angebot: Das ganze Jahr über werden jetzt Eintrittsgutscheine verkauft (zehn Euro), sie gelten auch für die nächsten Jahre. Neu im Verein, dessen Mitgliedsbeitrag zwölf Euro im Jahr beträgt: „Wir nehmen Fördermitglieder auf, das können auch Unternehmen sein“, sagt Jens Veenhuis.

Und wie viele Jahre hat Lehrte noch den Blues? Michael Veenhuis: „Solange es Spaß macht, machen wir weiter.“ Fein! Dann beginnen ja sicher nach dem ersten September-„Samstach“ die Vorbereitungen für das Festival 2012, getreu dem Vereinsmotto „Nach dem Blues ist vor dem Blues“.