27. Lehrter Bluesfestival ging bei Sonne über die Bühne

Keine Müdigkeit: Auch beim 27. Bluesfestival feierten die Fans die internationalen Bands am Rodelberch.

Das überraschte die Veranstalter doch positiv: Rund 1.200 Frauen, Männer und Kinder jeden Alters pilgerten am ersten Samstach im September zum Rodelberch im Stadtpark, um sich einen Hörgenuss erster Klasse zu gönnen – und damit viele mehr, als sich der Verein Blues in Lehrte angesichts der Wetterkapriolen erhofft hatte. Doch nach einem heftigen Schauer gegen 14 Uhr spielte der Wettergott wider Erwarten mit und ermöglichte Besuchern und Organisatoren ein entspanntes Open Air-Festival bei Sonnenschein und Windstille. Wem aufgrund der doch schon herbstlichen Temperaturen fröstelte, hatte diverse Heißgetränke zum Aufwärmen zur Auswahl – allein der Glühwein wurde restlos ausverkauft. „Doch, das geht gut zusammen: Gute Musik und Glühwein!“ stellte ein Besucher fest.

Neben dem freundlichen Wetter mag auch das Programm seinen Anteil am Besucheraufkommen haben: Mit dem Briten Little Roger & The Houserockers startete der Bluesnachmittag nicht nur pünktlich, sondern auch gleich hochklassig. „Die sind ja ganz fantastisch, auch die Keyboarderin spielt super!“ zeigte sich Susanne aus Schwüblingsen, selber Musikerin und Musiklehrerin, als Fachfrau von Marion Wade begeistert.

Auch den jüngeren Besuchern kam das schöne Wetter gut zupass, stiegen ihre gut 200 gelben und schwarzen Ballons beim Luftballonwettbewerb doch zügig ins Blaue, ohne in die Bäume geweht zu werden, und drifteten schließlich nach Südwesten ab.

Wer später erst den Weg zum Rodelberch fand, hatte also schon mal etwas Gutes verpasst – aber das Programm barg weitere Finessen. Wie beispielsweise den Amerikaner R. J. Mischo & his Red Hot Blues Band, der wie sein Vorgänger das Publikum mit seinem pointierten Harpspiel in Entzücken versetzte. Das versuchte eine Gang noch zu steigern, die nicht mal auf der Bühne spielte: Sozusagen als Pausenclowns fungierten die Juke Joint Pimps, die in den Umbaupausen mit ihrer heißen Rhythm`n`Blues-Show neben der Bühne ein ganz eigenes Musikevent kreierten. Ein simpler weißer Gartenpavillon mutierte zur Konzerthalle, eine große Zubehörkiste wurde zur wackeligen Bühne umfunktioniert, auf der – mehr gedrängt als freiwillig – Roger Wade von der ersten Band mit seiner Mundharmonika die beiden schrägen Kölner Bluesbarden unterstützte. Nicht, dass Tilmann Michalke alias „T-Man“ (Gitarre) und „Mighty Mike“ (Michael Wagener) an Mundharmonika, Stand-Schlagzeug und anderen Rhythmusgerätschaften Unterstützung gebraucht hätten, aber mit nur einem Auftritt kamen die Bands bei ihnen nicht durch, wie sich auch später noch zeigen sollte. So durfte auch R. J. Mischo nach seinem Auftritt sein wohl verdientes Brötchen nicht aufessen, sondern musste auf die Kiste, während sein Drummer Andreas Bock an das Standschlagzeug genötigt wurde.

Einmal ordentlich aufgeheizt, hatten die Besucher kein Problem mit dem Wechsel der Bands und der verschiedenen Musikstile. Schon allein die umfangreiche, bluesige Stimme konterkarierte die zierliche Erscheinung von Mattanya Joy Bradley, der Leadsängerin und Namensgeberin von Bradley’s Circus. Zusammen mit der Harp-Spielerin Lidewij Veenhuis bildete sie die Frontline des niederländischen Fünfköpfers und schickte die Besucher durch ein musikalisches Auf und Ab von sanften Balladen und rockigen Titeln, die absolut in Bauch und Beine fuhren.

Die hatten auch gut zu tun, als Memo Gonzales & The Bluescasters das Festival rockten. Als eine der bestbeschäftigten europäischen Bluesbands verstanden Gonzales, Kai Strauss (Gitarre) Erkan Özdemir (Bass) und Boyd Small (Schlagzeug) es bestens, die Massen bei Laune zu halten und souverän mit Blues, Swing und dem guten alten Rock’n’Roll noch mehr in Bewegung zu bringen. Als Profis hatten sie auch noch genug Luft für eine Zugabe im Zeitplan gelassen, denn um 24 Uhr muss das Festival beendet sein. Doch den Besuchern reichte das noch lange nicht, und so scheuchten die Juke Joint Pimps die schon auf Feierabend eingestellten Musiker der vorangegangenen Bands noch einmal auf die Bühne zu einer grandiosen Jam Session, mit der das 27. Bluesfestival in einem furiosen Finale endete.

Mit ihrer Stimme verzauberte Mattanya Joy Bradley von Bradley’s Circus das Publikum am Rodelberch.