"Wir hoffen, dass wir bald wieder kommen können!"

Wieder kein Regen...

Sie kamen sogar aus Schleswig, Berlin und dem Sauerland: Wieder einmal gut 2000 Besucher amüsierten sich am "Samstach Abend auf dem Rodelberch".
Zum 22. Mal hatte der Freundeskreis Bluesfestival - sowie seit diesem Jahr der Verein Blues in Lehrte e.V. - im Lehrter Stadtpark Bühne, Bierbude und Essenzelt aufgebaut und die Besucher zu einem ausgesucht guten Programm eingeladen, wie viele urteilten.
Schon von der ersten Band wurde Hochwertiges geboten, schließlich gewannen die Silvertones 2003 aus Köln den Dresden Blues Award. Diejenigen, die gleich zu Anfang des Festival erschienen waren, kamen in den Genuss einer fetzigen Retro-Blues-Show mit überwiegend eigenen Stücken, die stracks in die Beine fuhr. Für die Lehrter hatten die Silvertones noch eine besondere Überraschung parat: Mit so genanntem kleinen Besteck - Gitarre, kleines Schlagzeug, Mundharmonika und Verstärker - postierten sich Sänger und Harp-Spieler Michael Wagener und der Gitarrist Tilmann Michalke spontan vor der Bühne und überbrückten zwei Umbaupausen mit Livemusik vom Feinsten, die an ihre Herkunft als Straßenmusiker gemahnte.
"Die zweite Gruppe hat mir am besten gefallen", sagte eine Immenserin, die zum ersten Mal nicht als Besucherin, sondern als Helferin hinter der Theke am Festival teilgenommen hatte und über die gute Stimmung auch hinter den Kulissen begeistert war. Besagte Band, die in Berlin lebende Musikerin Kat Baloun und ihre Band Alleycats, machten sich mit ausgefeiltem Mundharmonikaspiel und ansteckender Partylaune an diesem Abend viele neue Freunde in Lehrte - besonders, als Kat plötzlich bei der nachfolgenden J.J. Band wieder auf der Bühne stand und zusammen mit den hervorragenden Musikern aus Polen ihre Bluesharp ertönen ließ. "Die Jungs haben mich gefragt, ob ich nicht mitspielen will", freute sie sich über die Unbefangenheit der jungen Polen, die in ihrer Heimat als eine der besten Bluesbands gelten und am Lehrter Rodelberch ihre Deutschlandpremiere feierten. "Das Festival ist super organisiert, und das Publikum hier ist toll", sagte Kat Baloun nach ihrem Auftritt. "Ich hoffe, wir können hier bald mal wieder spielen!"
Ähnlich formulierten es die polnischen Musiker, die von der guten Resonanz auf ihr Musikprogramm überrascht waren, wie Dolmetscher Andreas Sollik berichtete. Der Bluesfan hatte die 2001 gegründete Combo vor drei Jahren auf einem Festival in Polen entdeckt und den Kontakt zu den Lehrter Veranstaltern hergestellt. Die interessante Mischung aus teilweise eigenwillig interpretierten Standards und eigenen Stücken imponierte den Besuchern offensichtlich, so dass sich die Musiker um den Gitarrero Jacek Jagus und den Harpspieler Bart Leczycki nach ihrem Auftritt plötzlich von Autogrammjägern umgeben sahen.
Damit hatte auch Ana Popovic gut zu tun. Die junge Serbin lieferte eine für ihre 29 Jahre schon ziemlich abgeklärte Bad Girl-Bluesshow, zumal die Gitarrenkünste der Blueslady durch ihre etwas rauchige Stimme ideal ergänzt wurden - alles in allem eher ein Auftritt für die Freunde der härteren Gangart. Auch wenn da eine zierliche Blondine auf gefährlich aussehenden High Heels über die Bühne und auch über den nagelneuen Laufsteg Richtung Publikum stakste, belehrten einen ihre Gitarrenriffs schnell eines Besseren. Vor allem dann, wenn sie ihrem Idol, Altmeister Hendrix, nacheiferte. Die auf Schlagzeug und Bassgitarre beschränkte Begleitung wirkt nur in der Aufzählung sparsam, die Bühnenpräsenz war stark und druckvoll.

Silvan Stephan vom Anderen Kino nutzte eine Umbaupause zur Vorführung seiner in Australien erworbenen Fähigkeiten und wirbelte in einer faszinierenden, schwungvollen und heftig beklatschten Feuershow brennende Fackeln um sich.
Auf den Auftritt der Blueass Bluesband freuten sich einige der Veranstalter ganz besonders, hatten sie die Kapelle doch schon mehrmals beim Bluesfestival im schwedischen Mönsterås gehört und gesehen. Leider hatte die Band sich ein paar Tage zuvor von ihrem Frontmann, dem Sänger und Gitarristen Peter Gustavsson, getrennt. Nachfolger Ole Johansson musste sich erst einarbeiten - aber im zweiten Teil ihres Auftritts dreht die Band denn doch noch einmal gut auf, so dass die Zuschauer auch von dieser Band Zugaben einforderten, bevor sie sich allmählich auf den Heimweg machten - wieder mal ohne einen einzigen Tropfen Blues-Regen.